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Ehefrauen – bitte hinten anstellen!

Es kommt häufig folgender Fall vor: der Ehemann ist geschieden. Aus dieser Ehe hat er Kinder, für die er Unterhalt zahlt. Jetzt heiratet er neu.
Seine Ehefrau hat kein oder geringes Einkommen. Wie wird sie bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt?
Leider muss man sagen, dass die Ehefrau wenig Chancen hat. Die Rangfolge der Unterhaltsberechtigten ist in § 1609 BGB geregelt. Die Reihenfolge dort ist eindeutig: gemäß Ziffer 1 des genannten Paragraphen geht der Kindesunterhalt vor.
Erst wenn dann noch etwas übrig bleibt, bekommt die Ehefrau Unterhalt. Dabei wird häufig die geschiedene Ehefrau einen vorrangigen Unterhaltsanspruch haben, vergleiche Ziffer 2 des § 1609 BGB.
Die neue Ehefrau muss sich also auf ein Leben in Armut einrichten.
Die einzige Korrektur kann über den Bedarfskontrollbetrag erfolgen. Wenn die Kinder bisher in einer höheren Gruppe der Düsseldorfer Tabelle eingeordnet waren und entsprechend Unterhalt bekamen, kann das Hinzutreten der neuen, unterhaltsberechtigten Ehefrau zu einer Verminderung des Kindesunterhaltes führen. Im Zweifel wird es sich dabei aber nur um eine Korrektur um einige Euro im Monat handeln.
Das Problem kann noch dadurch verschärft werden, dass die neue Ehefrau selbst Kinder mit in die Ehe bringt, für die sie keinen Unterhalt erhält. Da die Kinder mit dem neuen Ehemann nicht verwandt sind, besteht kein Unterhaltsanspruch, sie sind faktisch überhaupt nicht zu berücksichtigen. Es bleibt dann wirklich nur der Gang zum Sozialamt oder zur Hartz IV- Behörde.